Es war der Blick in eines der dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte, den die Besucher der Ausstellung „Deine Anne. Ein Mädchen schreibt Geschichte“ werfen konnten. Der Besuch der Ausstellung des Anne Franks Zentrums Berlin im Stuttgarter Rathaus, von „Lernort Gedenkstätte“ und dem Stadtmuseum Stuttgart organisiert, wurde von „SPD am Nachmittag“ des SPD-Ortsvereins Bad Cannstatt initiiert. Die Führung zeigte...
... zum einen das Leben der Franks bis zu deren Vernichtung und schlug dann eine Brücke in die Gegenwart, um auf die auch heute vorhandenen Gefahren von Rassismus, Diskriminierung und Antisemitismus hinzuweisen.
Annelies Marie „Anne“ Frank wurde am 12. Juni 1929 als zweite Tochter von Otto Heinrich Frank und Edith Frank-Holländer in Frankfurt am Main geboren. Die durchaus wohlhabende Familie lebte in einer assimilierten Gemeinschaft von Juden und anderen Bürgern. Die Kinder wuchsen mit Freunden auch anderer Religionen auf. Die Franks waren Reformjuden, die zwar den jüdischen Glauben bewahrten, aber nur wenige jüdische Bräuche pflegten.
Nach der Machtergreifung durch die Nazis zog die Familie, auf der Suche nach Schutz, 1934 nach Amsterdam. Dort baute Otto Frank eine Firma auf. 1940 wurden die Niederlande von der deutschen Wehrmacht besetzt und der bis dahin sichere Zufluchtsort war nicht mehr sicher. Im Hinterhaus seiner Firma richtete Otto Frank das Versteck ein, in das die Familie 1942 untertauchte. Im übrigen Haus lief die Firma weiter, die Otto Frank seinen Mitarbeitern überschrieben hatte, damit sie nicht beschlagnahmt wurde. Die Familie hoffte, nach wenigen Monaten wieder frei zu sein. Sehr anschaulich wird in der Ausstellung gezeigt, wie das Leben der Familie, zu der nach einer Woche die Familie Pels und im November 1942 Fritz Pfeffer dazu kamen, verlief. Der Holzfußboden knarrte, man konnte sich tagsüber nicht bewegen. Ein Toilettenbesuch war tagsüber nicht möglich, da die Spülung im übrigen Haus gehört worden wäre. Unterstützung gaben Otto Franks Sekretärin Miep Gies und deren Mann Jan sowie Ottos Mitarbeiter Kugler und Kleiman sowie Bep Voskuijl.
Anne bekam zu ihrem 13. Geburtstag im Juni 1942 ein Tagebuch geschenkt. Noch am selben Tag begann sie mit den Aufzeichnungen darin. Anne Frank hielt in dem Tagebuch ihre Erlebnisse und Gedanken fest.
1944 wurde das Versteck der Familie Frank im Hinterhaus verraten und sie wurde nach Auschwitz deportiert. Anne und ihre Schwester Margot kamen in das Konzentrationslager Bergen-Belsen wo sie im März 1945 an Typhus starben. Ihre Mutter Edith Frank starb im Januar 1945 in Auschwitz an Hunger und Erschöpfung. Einzig Otto Frank überlebte.
Nach der Verhaftung der Familie Frank nahm Miep Gies das Tagbuch an sich und übergab es nach dem Krieg Otto Frank, der die Aufzeichnungen veröffentlichte. Das „Tagebuch der Anne Frank“ gilt als ein historisches Dokument aus der Zeit des Holocaust. Bereits in den 1950er Jahren wurde es zum meistverkauften Taschenbuch. Es wurde in 70 Sprachen übersetzt und machte Anne Frank zu einem der bekanntesten Opfer des Holocaust. 2009 wurde das Tagebuch von der UNESCO zum Weltdokumentenerbe erklärt.
Während des zweiten Teils der Führung setzten sich die Besucher mit den heutigen Gefahren von Ausgrenzung, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Diskriminierung auseinander, wirkungsvoll in Filmsequenzen dargestellt. Besonders beeindruckend empfanden sie die Tatsache, dass Schulklassen und Jugendgruppen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen durch die Ausstellung geführt werden. „Der geringe Altersunterschied ermöglicht eine außergewöhnlich offene Atmosphäre beim Ausstellungsbesuch“ ist im begleitenden Flyer zu lesen. Ihren kompetenten Begleitern durch die Ausstellung dankten die Besucher für die engagierte Führung mit einem herzlichen Applaus.
Die nächste Führung von „SPD am Nachmittag“ gilt der Fritz-Elsas-Ausstellung im Stadtmuseum Bad Cannstatt (Klösterle) am 3. Juli um 16°° Uhr.